Erasmus Seminar in Teneriffa

Bericht über ein Seminar, welches Grenzen in Frage stellt, die anerzogene Toleranz zu überdenken anregt und den eigenen Horizont erweitert

Gabriele Wiederer - Einrichtungsleitung „ Kita-Regenbogen“, Neusitz

Ulrike Gerlinger      - Rektorin der Grundschule Weißenkirchberg - Dombühl

Projektmanagement für interkulturelle Austauschprojekte in Europa vom 11.-16.03.2018 in Teneriffa

Vielleicht habe Sie das kleine blaue Schild am Eingang unserer Einrichtung ja bereits entdeckt? Ein Kindergarten oder eine Schule im tiefsten Mittelfranken und die Europaflagge? Wos hebbe die si widder ausdengt? Nun, das Erasmus-Programm ist ein Förderprogramm der Europäischen Union. Sein Name erinnert an Erasmus von Rotterdam, einen europäisch gebildeten Humanisten der Renaissance. Das Schild besagt, dass der Kindergarten / die Schule über besondere Qualifizierungen im Bereich der interkulturellen Erziehung verfügt. Jeder, der im (vor-)schulischen / pädagogischem Bereich arbeitet, kann zur Internationalisierung seiner Einrichtung beitragen und ein entsprechendes Projekt starten. Dies beinhaltet eine oder mehrere Fortbildungen, die in einem Land der EU stattfinden. So kann man sich sowohl für die eigene berufliche Zukunft als auch für die Zukunft seiner Bildungseinrichtung weiterentwickeln. Der Focus liegt trotz unterschiedlicher Fortbildungsthematiken stets auf dem friedvollen Miteinander der unterschiedlicher Länder und Kulturen in Europa. So haben wir uns Ende 2016 durch das komplizierte und aufwändige Antragsverfahren durchgebissen und uns 2017 gefreut, dass wir im Rahmen unserer interkulturellen Aktionen, die bereits an Kita und Schule laufen bzw. geplant sind, eine passende EU-Fortbildung besuchen durften.

 

Hierfür braucht es neben guten Englischkenntnissen, noch besseren Nerven und einem mindestens so gutem Rotwein beim Verfassen des Antrages : Die eigene Intuition, den Horizont erweitern zu wollen, die Bereitschaft, sich einzulassen, um Visionen zu erleben, vorgefertigte Meinungen zu hinterfragen, die Lust, Neues zu entdecken und zu erkennen, um das Beste für die uns anvertrauten Kinder er- und bearbeiten zu können. Davon profitieren nicht nur unsere Kinder mit Migrationshintergrund, Flüchtlingskinder, sondern jedes einzelne deutsche Kind, indem es die Chance bekommt, persönliche Wissens- und Erfahrungshorizonte zu erweitern und dies als Bereicherung zu erleben.

Für uns Einrichtungsleitungen heißt das, nie auszulernen, manchmal umzudenken. Vielleicht können wir auch einen Weg vorgeben, den unsere Kolleginnen mit uns gemeinsam gehen wollen?

Was lief unser Auslandsaufenthalt ab?

Bereits im Flieger wurde uns klar: wir werden nicht zur Erholung in Teneriffa landen. Sehnsüchtig und neidvoll schauten wir den Wandertouristen und Sonnenanbetern im Flugzeug über die Schulter, die ihre Reiseführer zückten und Urlaub planten. Vor uns standen 6 Kurstage mit insgesamt 48 Seminarstunden. Vielleicht wird sich der Kurs zäh wie Kaugummi ziehen? Sind die Teilnehmer etwa komisch? Wird es ausreichend zu essen geben – zum Einkaufen werden wir wohl nicht viel Gelegenheit haben? Erfreulich, dass wir immerhin einen halben Anreise- und einen halben Abreisetag für uns haben sollten.

Die Begrüßung am Samstagabend war ein munteres Herantasten, beinhaltete erste Kontaktaufnahmen und es zeigte sich, dass die Seminarteilnehmer aus Deutschland, Österreich, Lettland, Polen, Portugal, Bulgarien, Ungarn und Dänemark sehr nett zu sein schienen. Das Buffet beim Abendessen stellte sich als üppig heraus, so dass wir zu keiner Zeit mit knurrenden Mägen arbeiten mussten.

Der Kurs war arbeitshygienisch hervorragend organisiert: morgens theoretischer Input, nachmittags mehrere Workshop-Angebote in Kleingruppen, dazu 4 Abendveranstaltungen, dazwischen kleine Kaffeepausen mit Obstsnacks. Während der Workshops haben wir sehr viel erlebt, erfahren, bearbeitet, begriffen und immer wieder präsentiert und moderiert. Die Zusammenarbeit mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern war spannend, manchmal anstrengend, aber immer bereichernd. Dies gilt für die berufliche, wie auch die ganz private Sichtweise.

Dass wir in Bayern eigentlich recht zufrieden mit unserem Bildungs- und Erziehungssystem sein können, zeigte sich im Vergleich mit anderen Bundesländern und EU-Staaten. Jedes Land kämpft für gute Bedingungen, um eine angemessene Bildung zu gewährleisten. Oft scheitert dies an den Rahmenbedingungen, dem Standort der jeweiligen Schule oder Kindertageseinrichtung, dem Engagement einzelner oder an den nötigen finanziellen Mitteln.

Inhaltlich ging es um Fragen zu dem Antragsverfahren, Schüler­austauschprojekte und Projekte des Job-Shadowings. Wir interessierten uns vorwiegend für zweiteres. Beim Job-Shadowing handelt es sich um das Hospitieren in Kitas und Schulen in unterschiedlichen Ländern der EU. Damit verbunden ist eine aufwändige Beantragung, die Durchführung und die Finanzierung, welchen das Follow-Up (Nachbereitung, Verbreitung der Inhalte, z.B. im Gemeindeblatt ;-) und eine Evaluation folgen. Wir wissen jetzt wie’s geht! Alle Teilnehmer tauschten fleißig Kontaktdaten aus und bildeten erste Netzwerke für spätere Projekte.

Wie? Hospitationen in einem anderen Land? Braucht’s des? Wir denken schon. In unseren Kindertageseinrichtungen und Grundschulen treffen wir Kinder aus anderen Nationen. Manchmal verstehen wir die Eltern und auch die Kinder nicht, wissen nicht, was sie von uns wollen, warum sie so reagieren und die wiederum wissen nicht, was wir von ihnen wollen. Puh…und damit ist ausnahmsweise mal nicht die Sprache gemeint! Das Erleben, wie Bildung in der kleinen Dorfschule im Süden Griechenlands oder im modernen Schulzentrum von Helsinki geschieht, schenkt uns a) das Wissen und das Verständnis um andere Kulturen, einen Plan, damit richtig umzugehen und b) neue Impulse und Visionen, die wir mitnehmen und bei uns in Deutschland verwirklichen können.gabi 450

Wie viel leichter würde es uns allen fallen, wenn wir die Kulturen und Lebensweisen anderer Länder, mit deren Kindern wir arbeiten, besser kennen würden? Wie viel leichter wäre der Umgang mit Eltern, die uns nicht verstehen und eine komplett neue Struktur erlernen müssen? Wie bereichernd wäre es, wenn alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Kindertages­einrichtungen, Grundschulen und weiterführenden Schulen ein offenes Ohr haben könnten, für Menschen, die anders denken als wir?

Hier setzen die Seminare vom Erasmus+ an. Es geht darum diese offenes Ohr, ein bisschen mehr Verständnis und auch Toleranz zu erfahren, für andere Kulturen und für andere Lebensweisen. Wir wurden in Teneriffa als Multiplikatoren ausgebildet, um das Wissen und die Erkenntnisse weiter zu geben, zu begeistern für Projekte um unseren Auftrag „Bestmögliche Bildung und Erziehung der uns anvertrauten Kinder“ fortführen und weiterentwickeln zu können.

Am letzten Kurstag hatten wir den Auftrag, in der Kleingruppe eine Performance zum Thema „Fremde werden Freunde“ zu präsentieren. Nein, die Teilnehmer waren – gottseidank - nicht komisch und wir haben viele neue Freunde in Deutschland und anderen Ländern gewonnen. Gemeinsam fiel es uns daher nicht schwer, den Auftrag umzusetzen und wir hoffen auf ein Wiedersehen!

Mit der Zertifikatsverleihung und einem Abschiedsessen endete unser Kurs am Freitag – die Zeit verging wie im Flug und und wir schauten auf eine abwechslungsreiche, intensive und lehrreiche Woche mit jeder Menge Input und interessanten Begegnungen zurück.

Im Rahmen unseres interkulturellen Projekt werden wir bis Mitte 2019 eine weitere Mobilität absolvieren und wir sind schon gespannt, was dort für Herausforderungen auf uns warten!

Für Fragen bezüglich unseres Seminares oder Erasmus+ Projekten, stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Bei Interesse können Sie auch Einsicht in unser Kurs-Portfolio nehmen.

Gabriele Wiederer & Ulrike Gerlinger

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